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Frederick, Patch und ein Haus

Vorgeschichte:

 

Als sich am 12. Mai 1945 amerikanische Militärangehörige im Garten einer Innenstadtvilla aufhielten, war der Zweite Weltkrieg gerade vier Tage zu Ende. Im Garten der Villa standen u.a. zwei Kongressabgeordnete zusammen mit dem Befehlshaber der siegreichen 7. US-Armee, Lieutenant General Alexander M. Patch und dem Kommandeur der 45. Infanteriedivision, Major General Robert T. Frederick, zu einer zeremoniellen Handlung bereit.

LTG Alexander M. Patch war in den ersten Maiwochen nachweislich in Augsburg, zumal sich in Stadtbergen für zwei Monate das Hauptquartier der 7. US-Armee befand. Patch war u.a. auch in die Weiterbehandlung ehemaliger Nazigrößen eingebunden. Es war sogar vorgesehen, einen Teil der späteren Sheridan Kaserne nach ihm zu benennen. In der Gartenvilla im Stadtjägerviertel, welche wohl kurzfristig beschlagnahmt worden war, galt seine Anwesenheit jedoch einer ganz anderen Sache. Hier sollte nämlich der damals jüngste US-General und mit achtmal meist verwundete US-Soldat des Zweiten Weltkrieges mit dem Orden Legion of Merit mit Bronze-Eichenlaubcluster ausgezeichnet werden: Robert Tryon Frederick, zu dieser Zeit gerade mal 38 Jahre alt und mit seiner „Thunderbird-Division“ in München niedergelassen. Die Division, die er im Dezember 1944 übernahm, hatte bei ihrem Vormarsch bis Süddeutschland eine sehr hohe Verlust- und Todesrate. Frederick war seit der Landung in Nordafrika bei verschiedenen Spezialeinheiten erfolgreich führend. Patch galt als umsichtiger Armeeführer, ganz im Gegensatz zu seinem draufgängerischen Mitstreiter Patton von der 3. US-Armee.

Für Augsburg war der Krieg am 28. April zu Ende, die Befreiung vom NS-Regime vollzog die 3. Infanteriedivision von Patchs 7. US-Armee. Fredericks 45. Infanteriedivision rückte am Tag danach in München ein, zusammen mit der 3. Infanteriedivision. Dort erhielt ein Bataillonskommandeur des 157. Infanterieregiments, LT. COL. Felix Sparks die Order, nach Dachau weiter zu fahren. Mit rund 600 Soldaten zur Seite gelangte Sparks zum dortigen Konzentrationslager. Keiner der Soldaten und auch nicht Sparks wußten, was sie dort erwartete. Die Situation der vorgefundenen Gräuel führte bei einigen Soldaten dazu, Lynchjustiz an verbliebenen Wehrmachtssoldaten durchzuführen, dies wurde jedoch von Sparks umgehend unterbunden. Dennoch konnte er die Hinrichtung von ungefähr 30 bis 50 deutschen SS-Soldaten nicht mehr verhindern.

Sparks Leute des 3. Bataillons befreiten anschließend über 30.000 Gefangene. Berichte und mindestens ein Foto belegen die Anwesenheit von Generalmajor Frederick im Dachauer KZ-Lager und damit seiner 45. Division als Befreiungsdivision.

 

Auf dem Haunstetter Flugfeld landet eine DC3 der amerikanischen Luftwaffe mit zwei Regierungsbeamten aus Washington, die an der Auszeichnung von Generalmajor Frederick teilnehmen werden. (Foto: Screen Shot U.S. Army).

 

 

Die Kongreßabgeordneten Derkson und Young verlassen das Flugzeug und werden von US-Militärs aus Augsburg begrüßt. (Foto: Screen Shot U.S. Army).

 

 

Im Garten der Stadtvilla,12. Mai 1945. Von links: Kongreßabgeordneter Derkson, LT. GEN. Patch, MAJ. GEN. Frederick, Kongreßabgeordneter Young. Ganz rechts im Bild CAPT. Bartlett. (Foto: U.S. Army). 

 

 

LT. GEN. Patch heftet den Orden Legion of Merit an das Jacket Fredericks. Ganz rechts beobachtet Kongreßabgeordneter Young den hoheitlichen Akt. (Foto: Screen Shot U.S. Army).

 

 

Die Villa in der Innenstadt, ganz in der Nähe der Militärregierungen Augsburg Stadt und Schwaben. (Foto: Privat).

 

 

 

Augsburg, Juli 2019

 

Mit einer E-Mail erreichte uns eine Anfrage aus Wisconsin/USA. Ein Mr. Hicks gab zu verstehen, daß er ein Enkel des Divisionskommandeurs Robert T. Frederick sei und legte ein paar Fotos von der Ordensverleihung mit Generalleutnant Patch bei. Darunter war auch die Rückseite des unbekannten Hauses zu sehen. Mr. Hicks beabsichtigte Ende August nach Deutschland und Augsburg zu kommen und das Haus der Ordensverleihung suchen zu wollen. Dies erschien zunächst aussichtslos.

So begann Amerika in Augsburg e.V. in zahlreichen Stunden auf Satellitenaufnahmen von Google-Maps ein bestimmtes Haus mit Walmdach zu suchen, und dies im ganzen Großraum Augsburg. Es gab natürlich Schwerpunktorte, die für amerikanische Beschlagnahmungen bekannt waren. Doch das „Haus Frederick“ war offensichtlich nur in den ersten Nachkriegstagen im Gebrauch, was in amtlichen Stellen der Stadt nicht registriert wurde (diese gab es ja noch nicht).

Mit Hilfe einiger markanter Merkmale gelang es schließlich doch noch, vor Ankunft des amerikanischen Enkels mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Haus mit seinem Garten zu finden. Am 25. August war es soweit. Man traf sich an dem mutmaßlichen Haus, welches inzwischen frisch renoviert und an der Rückseite teilverändert war. Dies erschwerte eine Identifikation mit dem Bild von 1945. Zudem war das Haus unbewohnt. Schließlich gelang es jedoch mit Hilfe einer Anwohnerin, die Authentizität der Villa mit 1945 sicher zu bestätigen, sah das Haus doch bis vor kurzem noch fast unverändert aus. Eine große Freude für den Amerikaner und ein Erfolg seiner Ahnenforschung!

Generalmajor Frederick, die 45. Infanteriedivision und deren Befreiung des KZ-Lagers Dachau, seine Auszeichnung durch den mehr zufällig in Augsburg anwesenden Armeeführers Patch, die fast aussichtslose Ortssuche eines Enkels, all dies beschäftigte nach über 70 Jahren einen Verein in der Aufarbeitung der amerikanischen Geschichte Augsburgs. Frederick ist wohl nur wenige Stunden in Augsburg geblieben und dann nach München zurück gekehrt. Mr. Hicks fuhr noch am gleichen Tag weiter zur Gedenkstätte Dachau, wo ihn die dortige Leiterin zu einem Gespräch empfing.

 

(Anmerkung: Generalmajor Fredericks 45. Infanteriedivison war zusammen mit der 3. Infanteriedivision unter Generalmajor W. O´Daniel vom 16. bis 20. April 1945 in die heftigen Kämpfe Nürnbergs eingebunden. O´Daniels 3. Division marschierte eine Woche später in Augsburg ein).

 

25. August 2019. Ortseinsicht der beiden Vereinsvorsitzenden Georg Feuerer (l.) und Max Lohrmann (r.), in der Mitte Mr. Hicks am Ziel seiner Ortssuche. (Foto: Amerika in Augsburg).

(Wir danken Brad Hicks für die fotografische Unterstützung).

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