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Die US-Militärfeuerwehr

 

Deutsch und amerikanisch zugleich

Ausgangslage

Nach Kriegsende und mit der Besatzung Augsburgs durch die US-Truppen errichtete die amerikanische Militärregierung ein U.S. Army-Fire Department. Dieses sollte den Schutz der eingenommenen Liegenschaften und Gebäude gewährleisten. Zunächst wurde jedoch die Augsburger Feuerwehr aus der (Feuerschutz-)Polizei ausgegliedert und unter der Befehlsgewalt des ersten "Fire Chief" Josef Duna als Fire Brigade Augsburg geführt. Doch er war, wie die meisten anderen Feuerwehrmitglieder, ehemals der NSDAP angehörig und so wurden sie allesamt zum 30. Juli 1945 aus dem Dienst entlassen. Am 23. August 1945 hat die Militärregierung sogar alle Kompanien der freiwilligen Feuerwehren verboten und aufgelöst. Im gleichen Monat erhielt die städtische "Fire Brigade Augsburg" ihren alten Titel als Stadtfeuerwehr zurück. Im September 1945 arbeiteten bereits wieder 90 Angestellte im Dienste der Augsburger Stadtfeuerwehr, im Frühjahr 1946 wurde ihr sogar der Brandschutz in den amerikanischen Kasernen und Objekten übertragen. Die Aufbauaktivitäten des Duna-Nachfolgers Leopold Gumbold fanden sowohl bei der Stadtverwaltung wie US-Militärregierung große Beachtung. Sein Ansprechpartner bei den Amerikanern war kurioserweise ein Leutnant Fire. Mit der Übergabe der zivilen Verwaltung an die deutschen Behörden wurde 1946 auch das Verbot der freiwilligen Feuerwehren aufgehoben, was aber erst mit der Gebietsreform 1972 (Eingemeindungen) zu einer Wiederbelebung derselben führte. Am 27. Juni 1947 erst erfolgte die Errichtung einer amerikanischen Feuerwehr, was den Wirkungsbereich der Stadtfeuerwehr im Augsburger Westen deutlich einschränkte. Am 29. Juli 1947 beantragte diese an das Referat 8 der Stadt die Umbenennung von "Stadtfeuerwehr" in "Berufsfeuerwehr".

 

Das Fire Department

Die Amerikanische Militärfeuerwehr (so umgangssprachlich genannt) rekrutierte sich anfangs aus Angehörigen des neu aufgestellten Labor Service mit deutschen Zivilangestellten in zunächst vier Fire Stations*. Dies bedeutete zum Jahresende 1951 Arbeitsplätze für 72 hauptberufliche „US“-Feuerwehrmänner in der kriegsgeschwächten Stadt. Insgesamt waren bis zu 120 Mann verfügbar. Die Kooperation mit der damals noch sehr spartanisch ausgerüsteten städtischen Feuerwehr war in allen Jahren ausgezeichnet. Die Ausrückungen und Hilfeleistungen der "US-Feuerwehr" gingen weit über Augsburg hinaus. Auch das Munitionslager im Siebentischwald lag in ihrem Zuständigkeitsbereich. Obwohl der Geräte- und Fahrzeugbestand noch aus amerikanischem Kriegsmaterial bestand, verfügten die "Fire Fighter" bereits über fest montierte Wasserwerfer (Löschmonitore) oder den für Chemikalienbrände geschaffenen Light Water-Schaum, der in der Bundesrepublik selbst Jahrzehnte später eine erst zaghafte Akzeptanz erfuhr. Ein weiterer Löschkomfort der Amerikaner war das Hochdruck-Wassernebelverfahren.

 

Um 1948: die Hauptfeuerwache (Main Station) in Göggingen*. Dort war auch der Fire Marshal postiert. Die Notrufnummer zu dieser Zeit lautete 7777. Foto: H. Wohlmuth.

 

Links: Die Labor Service-Mannschaft vor ihrem Class 325-Pumper um 1948. Foto: H. Wohlmuth.

Rechts: „Einsatz-Sandwich“: Im Hintergrund die US-Militärfeuerwehr, vorne deutsche Feuerwehrmänner beim Brand der Bobina-Eiswerke in Bobingen am 1. März 1949. Foto: via G. Mayer.

 

Fest montierter Wasserwerfer (B-Strahlrohr) auf einem Class Structural 325-Pumper der amerikanischen Fire Platoons, bei einer Übung 1949 am Stadttheater. Foto: via G. Mayer.

 

Bei einer gemeinsamen Übung in der amerikanischen Brandschutzwoche 1949 zeigten sich Berufsfeuerwehr und US-Feuerwehr dem Augsburger Publikum am Stadttheater von ihrer kooperativen Seite. Mit 60 Mann waren die Fire Fighter unter Leitung des damaligen Fire Chief Moritz F. Bund vor Ort. Als prominente Zuschauer standen Fire Marshal August C. Kamholz, Colonel Johnes sowie der städtische Branddirektor Alois Hammer und Oberbürgermeister Dr. Müller neben vielen anderen Behördenvertretern am Straßenrand. Sogar die Feuerwehren aus Gersthofen und Bobingen nahmen an dem Übungsspektakel teil, bei dem die Augsburger US-Feuerwehr ihre damals hochmodernen Löschgeräte vorführte. Auch fehlten nicht die traditionellen Geschicklichkeitsübungen mit Leitern und Schläuchen. Die Gögginger Feuerwehr belustigte mit einer historischen Vorführung.

Im gleichen Jahr fand in Frankfurt a.M. ein Wettbewerb europäischer US-Feuerwehren statt. Als Siegerpreis erhielt die Augsburger Mannschaft eine der ersten drei für die US-Streitkräfte in Deutschland gebauten 22 Meter-Drehleitern auf Opel Blitz-Fahrgestell. In der Bekanntmachung Nr. 3/52 (Ausrückeordnung) steht für die Berufsfeuerwehr Augsburg die amtliche Anweisung: "Bei größeren Feuern ist die amerikanische Militärfeuerwehr zu alarmieren".

 

                    Das Siegerfahrzeug der „Reese-Feuerwehr“ mit mechanischer Metz-Leiter, 1949.

 

Demonstrationsübung mit der neuen Drehleiter in der Somme-Kaserne (Reese) um 1950. 

Foto: H. Wohlmuth.

In den folgenden 1950er Jahren wurde die deutsch besetzte US-Feuerwehr mit neuen Löschfahrzeugen auf Krupp-Südwerke oder Ford-Fahrgestellen ausgestattet, die in großer Zahl für die Besatzungs- bzw. Stationierungsstreitkräfte in Deutschland angefertigt wurden. Sie entsprachen feuerwehrtechnisch amerikanischen Gepflogenheiten, wie mittig eingebaute Kreiselpumpen samt deren Anschlussarmaturen und große offene Schlauchbuchten auf dem Aufbau. Auch Schutzbekleidung und Helme waren amerikanischer Herkunft.

Als in der Nacht vom 6. auf 7. Dezember 1958 ein Großbrand die Hula-Reifenfabrik in der Schertlinstraße (Nähe Infantry Kaserne) heim suchte, übernahm die US-Feuerwehr den städtischen Brandschutz in der entblößten Hauptfeuerwache am Zeugplatz. Denn die Berufsfeuerwehr war komplett mitsamt den wachfreien Schichten und fast allen Werkfeuerwehren der Stadt zu diesem spektakulären Einsatz ausgerückt. 1958 auch wurde die amerikanische Feuerwehrkompanie der Reese Kaserne bei einem Wettbewerb zwischen 35 US-Feuerwehr-Kompanien als "Beste Militärfeuerwehr im südlichen Befehlsbereich" ausgezeichnet. Sie erhielt dafür den Titel "Honor Fire Station".

 

Ein von der (Krupp)-Südwerke deutschlandweit gebautes US-Löschfahrzeug im Deuringer Wald, Anfang der 1950er Jahre. Foto: via G. Mayer.

 

Die „Reese-Feuerwehr“ im Innenhof der ehemaligen Reiterhöfe mit einem der neuen Löschfahrzeuge auf Frontlenker-Fahrgestellen der (Krupp)-Südwerke. Foto: H. Wohlmuth.

 

Die "Reese-Feuerwehr" in der Infantry Kaserne im Hochfeld. Die baulichen Gegebenheiten waren dort historisch bedingt anders als in den Kasernen der Wehrmacht. (Foto: Johnnie Worth, 1952, Vereinsarchiv).

 

Amerikanische Kinder bei der Brandschutzerziehung im Camp des Labor Service an der Somme-Straße. Foto: M. Huß.

 

Auch auf dem Haunstetten Airfield gab es bis zum Abzug des dortigen 24th Aviation Battalion eine Flugplatzfeuerwehr. Hier ein älterer Class 530A-Pumper vor dem Tower, Sommer 1962. Foto: Wohlmuth.

 

Mit dem im Sommer 1959 in Kraft getretenen Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut erfolgten detaillierte Regelungen zum Aufenthalt der Stationierungsstreitkräfte in fremden Ländern. Damit war die US-Armee keine Besatzungsmacht mehr, der Brandschutz der Kasernen und Wohngebiete ging wieder (fast) ausnahmslos an die Augsburger Berufsfeuerwehr über. Man erarbeitete jedoch gemeinsame Einsatzpläne, denn selbst im Brandfall durften Bewegungen auf den Kasernengeländen nur in amerikanischer Begleitung (Militärpolizei, Fire Chief) erfolgen. Die angeblich inzwischen acht Feuerwachen wurden nach und nach aufgelöst. In Betrieb blieben zunächst die Flugplatzwachen Haunstetten und Gablingen wegen des dort herrschenden Flugzeug- und Hubschrauberbetriebes, letzterer später noch in Gablingen durch die dort stationierten Rettungshubschrauber des 236th Medical Detachment (Air Ambulance), die beiden Hubschrauber der ASA Aviation (Gator Flight) und der anwesenden Hubschrauberschule.

Die Gablinger Flugplatzfeuerwehr unterstützte 1962 die Großbrandbekämpfung in der Chemischen Fabrik Pfersee, zusammen mit der Werkfeuerwehr der damaligen Farbwerke Hoechst AG aus Gersthofen, die am Brandort Schaummittelreserven bereit hielt. Im Mai 1965 half sie beim Großfeuer der Michalke-Textilwerke im nahe liegenden Langweid-Forret aus. Dabei sorgten sich die Militärs sogar um die Sicherheit ihres Munitionslagers bei Stettenhofen.

1970 besaß die Gablinger US-Feuerwehr einen Class 530A- (älteres Reservefahrzeug) und zwei modifizierte Class 530B-Pumper auf militärischen M35A2-Fahrgestellen („REO“). Diese Präsenz war auch im Hinblick auf die sich gerade im Aufbau befindliche Kurzwellen- Abhöranlage (Wullenweber-Antenne und Field Station Geb. 1801) erforderlich, obwohl die (deutschen) Feuerwehrmänner schon während der Bauzeit ein absolutes Zutrittsverbot zu dem seinerzeit hochgeheimen Anlagenkomplex erhielten. Oft mehrmals täglich erfolgten Alarme mit Zeitstopp, jede der beiden Schichten verfügte über mindestens 4-6 Mann. Die Alarmauslösung ging vom Tower aus. Auch das Stettenhofener Munitionsdepot fiel in die Gablinger Zuständigkeit.

 

Links: Die Gablinger Feuerwache in einer Aufnahme vor 1970 mit noch beige gestrichenen Toren.

Foto: G. Mayer.

Rechts: Ein Class 530B-Pumper vor dem Gablinger Feuerwehrhaus, 1970er Jahre. Foto: via G. Mayer.

 

Einer der letzten Class 530B-Pumper in Gablingen („Feuer Notruf 95“) in den 1980er Jahren.

Foto: G. Mayer.

 

Gemeinsame Übung zwischen Flugplatzfeuerwehr und dem 236th Medical Detachment (Air Ambulance) auf dem Gablinger Flugplatz, 1988. Foto: Jim Mullen.

 

Noch bis 1993 (Abzug des 701st MI Battalions, Einzug der 66th MI) stand dort ein moderner Amertek-Löschpumper in Bereitschaft. Schon Ende 1992 wurde allen 14 Feuerwehrleuten gekündigt. Danach überließ man den Brandschutz aus Kostengründen den naheliegenden Gemeinden Gablingen und Gersthofen, ohne dafür brauchbare Objektunterlagen samt Ortseinsicht zur Verfügung zu stellen. Die Angelegenheit entwickelte sich damit zu einer Farce, und die umliegenden Feuerwehren weigerten sich in einer gewissen Weise, eine ihnen unbekannte Gebäudeanlage riesigen Ausmaßes (Operations Building 1801) brandschutztechnisch zu beschützen, auch wenn dort Sprinkler- und Brandmeldeanlagen vorhanden waren. Das Fehlen von Fenstern hätte zudem die Brandbekämpfung in dem raumintensiven Gebäude mit rund 13.000 m² Grundfläche erheblich erschwert. Unterirdische Stockwerke gab es, wie sich später bei einer offiziellen Besichtigung herausstellte, entgegen vieler Verlautbarungen offensichtlich keine.

 

Im Mai 1989 präsentierte sich das Gablinger Fire Department in der Sheridan Kaserne bei einem Tag der offenen Tür der Augsburger Öffentlichkeit. Das Burgzeichen an der Fahrertüre verrät die Zugehörigkeit zu den „Engineers“. Foto: G. Mayer.

 

Der letzte (Amertek-)Pumper des Augsburger Fire Departments in der Sheridan Kaserne (oben) und bei einer Vorführung auf der städtischen Hauptfeuerwache in Augsburg (unten). Fotos: G. Mayer und H. Wohlmuth.

 

Die Augsburger Berufsfeuerwehr in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Medical Service bei einer Evakuierungsübung im Flak Hospital, 1970. Foto: M. Huß.

 

Links: Charakteristisch für den amerikanischen Brandschutz in den Kasernen waren die auffallenden gelben Überflurydranten deutscher Herstellung.

Rechts: Wohnungsbrand im Sullivan Heights, 1982. Die Brandbekämpfung lag dort bereits seit 1958 in den Händen der Augsburger Berufsfeuerwehr.

 

                  Die bayerische Version eines Ärmelabzeichens bei den Augsburger Fire Fighters.

 

Verhaltensanweisungen für den Brandfall in englischer und deutscher Sprache. Die letzte Notrufnummer bei Feuer war „117“.

 

Flucht- und Brandschutzpläne in den Kasernengebäuden unterlagen offensichtlich keinerlei Norm und wurden von den Soldaten sehr individuell und in Handarbeit gestaltet. Hier eines von vielen durch den Verein Amerika in Augsburg e.V. gesammelten Exemplaren.

 

Eine Stilllegung des Militärstandortes zeichnete sich damals erkennbar ab. Als fünfköpfige Fußtruppe beendete der letzte Fire Chief Günter Kölbl 1998 die Feuerschutzgeschichte der Augsburger US-Streitkräfte. Sein Vorgänger Erich Maurer war ab 1975 Augsburger Fire Chief und von 1947 bis 1990 über 43 Jahre lang Angehöriger des Fire Departments. Er verstarb im Januar 2001 in Steppach. Nach Auflösung der einstigen Augsburger US-Feuerwachen widmete sich das Fire Department vornehmlich um den passiven Brandschutz innerhalb der Kasernen, wie die Überprüfung der Brandschutztüren, Feuerlöscher oder stationärer Feuerlöschanlagen in den Mess Hall-Küchen oder Lackierereien. Am Ende hatten die "Fire Inspectors" mehr oder weniger nur noch Dolmetscher-Funktionen. All diese Aufgaben waren Arbeitsplätze für deutsche Arbeitnehmer. Noch am 23.1.1998 erließ das 527th MI Battalion für das Sheridan-Gebäude 154 eine neue General Fire Order. Im August des gleichen Jahres war Augsburg von den Amerikanern verlassen.

Die Dienstleistungen der Augsburger Berufsfeuerwehr an die amerikanischen Streitkräfte gestalteten sich indes ganz anders herum: So wurde sie z.B. im Jahr 1981 allein in den ersten neun Monaten 54 mal zu Türöffnungen an Wohnungen oder versperrten Kasernengebäuden herbeigerufen, was zu amtlichen Gebühren von 2425.- DM führte. Man half sich eben, wo man konnte - auch gegen Rechnung.

Der erste Augsburger Fire Chief Moritz Bund war über 50 Jahre lang Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Dinkelscherben und starb am 2. April 2008 im Alter von 95 Jahren.

 

* lt. Telefonverzeichnis Augsburg Miltary Post, Februar 1949

Quellen: Feuerwehr Augsburg, Schwäbische Landeszeitung, Originaldokumente, Zeitzeugen u.a.

 

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