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Standortübungsplatz Deuringen

 

Eine äußerst bewegte Geschichte erlebte der im Ortsdreieck Steppach-Leitershofen-Diedorf gelegene Truppenübungsplatz in den westlichen Wäldern Augsburgs. Am Waldrand des Lech- und Wertachtals gelegen und von der Sheridan Kaserne auf kurzem Wege zu erreichen - hier spielte sich während der langen Zeit der US-Präsenz ein ganz anderer Alltag ab als in den dicht bewohnten Kasernenvororten der Stadt.

Vorgeschichte

Die Heeresverwaltung der NS-Reichsregierung erwarb bereits 1937 rund 337 Hektar* Waldgelände rund um die Gemeinde Deuringen. Nach Kriegsbeginn fand eine Nutzung des Geländes durch Infanterie- und Artillerieeinheiten statt, die Augsburger Teile der 17. deutschen Panzerdivision (hervorgegangen aus der 27. Infanteriedivision) bewegten sich bereits allesamt an den Fronten. Deshalb wurde auch nur ein kleiner Teil der Waldflächen gerodet, für fehlende Panzer benötigte man kein offenes Gelände mehr. Die schon damals nicht vorhandene Einzäunung des Geländes machte es in einem Amtsblatt für den Landkreis Augsburg erforderlich, die Absperrmaßnahmen für ein Gefechtsschießen im Februar 1939 detailliert bekannt zu geben. Die Notwendigkeit eines "weit außerhalb Augsburgs" gelegenen Truppenübungsplatzes ergab sich zu jener Zeit durch die zunehmende Besiedelung der innerhalb der Stadt gelegenen historischen Militärübungsplätze (Exerzierplätze). Man erwägte seinerzeit sogar, ganz Deuringen umzusiedeln und die leerstehenden Häuser für die Kampfausbildung zu benutzen.

Die Amerikaner sind da

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte Anfang 1949 die US-Militärregierung offiziell den ehemaligen Infanterie-Truppenübungsplatz. Den beschaulichen 1000 Seelen-Ort erwartete damit das Dasein einer jahrzehntelangen Dauerbelastung inmitten eines militärischen Übungsgeländes.

In einer Verordnung über den Schießplatz Deuringen im Landkreis-Amtsblatt Nr. 6 vom 11.2.1949 wurden die Verantwortlichkeiten und Abläufe der Nutzung wiederum exakt vorgegeben. Zu dieser Zeit befanden sich jedoch nur die als Besatzungspolizei wirkenden Constabulary-Truppen in Augsburg, welche allerdings auch über Kampfpanzer des Typs M26-Pershing mit 90mm Bordkanonen verfügten. Diese und andere Gefechtsfahrzeuge schossen im Deuringer Wald scharf. Die Militärpolizei versuchte die nahen Aufschlagbereiche des doch sehr kleinen Übungsplatzes von Unbefugten freizuhalten. Für die Nutzung als Panzerübungsplatz wurden alsbald weitere Waldflächen abgeholzt. Der freie "Panzerkessel" selbst umfaßte eine Länge von rund 700 Meter von West nach Ost und eine Breite zwischen 200 bis 300 Meter in Nord-Süd-Richtung. Dies entsprach rund 18 Hektar.

Am 19.06.1951 wurde mit dem NATO-Truppenstatut die Rechtsgrundlage für den Aufenthalt von NATO-Streitkräften und deren Angehörigen auf dem Gebiet anderer NATO-Staaten geschaffen. Mit der Unterzeichnung der Pariser Verträge vom Oktober 1954 erfolgte die Regelung, daß es sich bei den fremden Streitkräften in Deutschland nicht mehr um Besatzungstruppen, sondern um bewaffnete Stationierungsstreitkräfte handelt. Das Besatzungsstatut Deutschlands erlöschte mit dem Inkrafttreten des Deutschlandvertrages (Bonner Konvention) am 5. Mai 1955 und ist in die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland übergegangen.

Schon am 12. April 1951 besuchte Dwight D. Eisenhower als Oberster Alliierter Befehlshaber in Europa** den Übungsplatz Deuringen bei Schieß- und Kampfübungen des 2nd Armored Cavalry Regiment. Dieses wurde noch im gleichen Jahr von nationalgardistischen Einheiten der 43. und Teilen der in Gablingen niedergelassenen 28. US-Infanterie-Division, Zug um Zug abgelöst. Im Sprachgebrauch der Zeit hieß der Übungsplatz auch Standortexerzierplatz, Standortübungsplatz, Standortschießplatz, Truppenübungsplatz, Panzerübungsgelände oder Panzerübungsplatz. Den Augsburgern war er jedoch in der Mundart meist nur als "Panzerkessel" bekannt. Der "Kessel" ergab sich wohl aus der topographischen Entwicklung durch die Waldrodung und der dadurch entstandenen Freifläche, auf der sich die Panzer kampftaktisch bewegen konnten. Hinsichtlich der Höhenlage (530-540 m ü.NN.) war der Kesselbegriff eigentlich irreführend.

 

             Dwight D. Eisenhower (Mitte) im Deuringer Panzerkessel. (Foto: Presidential Timeline)

 

Der Kalte Krieg und seine Folgen

Die militärische Intensivierung drückte sich bereits ab Mitte der 1950er Jahre in der Weise aus, als die 11. US-Luftlandedivision (11th Airborne Division "Angels") sogar mit Sikorsky-Transporthubschraubern den Übungsplatz anflogen und Jeeps und anderes Gerät am Seil absetzten. Dazu kamen Düsenjäger im Tiefflug. Die umliegenden Gemeinden, aber insbesondere Deuringen bekamen alles ab, was das militärische Equipment hergab. Dem nicht genug - zu dieser Zeit (schon 1951) erfolgten im "Panzerkessel" Moto-Cross-Rennen mit sprunghaften Steilhangfahrten, was bald bis zu 15.000 Zuschauer anlockte. Nicht verwunderlich, daß dies auch motorradbegeisterte US-Soldaten an den Veranstaltungs-Wochenenden wieder nach Deuringen rief. Lange Stille gab es dort selten.

Über die Ortsstraßen Deuringens rollten über Jahre hinweg die schweren Militärfahrzeuge und Panzer. Ausbesserungsarbeiten nahmen kein Ende, und selbst eine frisch asphaltierte Fahrbahn soll einmal von den US-Truppen bei NATO-Alarm gedankenlos überrollt worden sein. Staub- und Abgaswolken umhüllten den kleinen Ort. Der damalige Bürgermeister von Deuringen hatte wahrlich kein Leichtes, sich über die politischen Instanzen Hilfe zu verschaffen. Die Sachlage spitzte sich auch insofern zu, wie am nördlichen Ortsrand die dortige Waldhausklinik den Belastungen und Immissionen des Manöverbetriebs hilflos ausgesetzt war. Man beabsichtigte sogar später eine Panzerstraße im Wald direkt am Krankenhaus vorbeizuführen, was aber im baulichen Anfangsstadium stecken blieb. Zu heftig waren die sich Anfang 1984 zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen Militär, Kommunalpolitik und Bevölkerung. Ebenso befanden sich Altenheime in der Umgebung.

Der permanente Militärbetrieb und die Ortsunkenntnis der Soldaten führte bisweilen auch dazu, daß sich die GI´s mit den Panzerfahrzeugen über die offiziellen Übungsplatzgrenzen hinweg bewegten. Spätestens bei der Begegnung mit spielenden Kindern waren sich die Besatzungen dann im Klaren, sich verfahren zu haben. Auch ein vernünftiger Schulbetrieb war wegen des oft stundenlangen Panzerverkehrs vor den Klassenzimmern kaum möglich in Deuringen. Dafür wurden die Kinder immer wieder mit Schokolade, Kaugummi oder Erdnußbutter von den GI´s entschädigt. Im Laufe der 1960er Jahre und nach bekannt gewordenen Überlegungen, den Truppenübungsplatz um weitere 100 Hektar zu erweitern, entwickelte sich immer mehr Widerstand in der Bevölkerung. Es entstand eine Dauerdiskussion über die Sinnhaftigkeit des Übungsplatzes, "so nahe am Rande einer Großstadt" und in dessen Naherholungsgebiet.

Aus dieser Not heraus gründete sich die Aktionsgemeinschaft Westliche Wälder Augsburg e.V., welche die Interessen von Naturschutz, Erholungswerten und der Lebensqualität der dortigen Anwohner vehement laut werden ließ. Nach etlichen Aktionen des Widerstands und lebhaften Bürgerversammlungen reagierte der damalige als "Rambo-General" bekannt gewordene Brigadegeneral George H. Young (Kommandeur der 24. US-Infanteriedivision) mit Trotzmaßnahmen, die über die bisher erduldeten Belastungen noch hinaus gingen. Dafür entschuldigte er sich jedoch im Nachhinein und verfaßte eine deutliche Erklärung zur strengen Einhaltung der Manöverdisziplin. Im März 1970 wurde Young wegen vielfacher anderer Kompetenzüberschreitungen aus Augsburg abgezogen. Mit der 1972 erfolgten Gebietsreform wurde Deuringen in Stadtbergen eingemeindet.

 

                                   LKWs, Warnschilder und Schützenlöcher im Deuringer Wald.

 

Dennoch - zur Gewährung einer permanenten Einsatzbereitschaft liefen auch danach die Panzermotoren im "Kessel" oft rund um die Uhr durch. Erst im August 1968 hatten nämlich Sowjettruppen den Prager Frühling in der CSSR mit einer Besetzung jäh beendet. Die allseits im Gespräch stehende Platzerweiterung spaltete sich in den Feststellungen der Aktionsgemeinschaft, daß die "hektisch betriebenen Erweiterungsvorstöße" nur durch das Bundesvermögensamt erfolgten und die Amerikaner sich über dieses Begehren eigentlich gewundert hätten (die Besitzverhältnisse des Platzes lagen zu dieser Zeit bei der Bundesrepublik Deutschland). In einem Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 9.8.1969 war andererseits von einem "Verlangen der US-Streitkräfte" die Rede, welches sich aber nur auf einen gesteigerten Übungsbedarf ausrichtete. Gemeint waren damit nur wenig in Anspruch genommene, reservierte Teilflächen des bisherigen Geländes. Gestützt hatten sich die Bedürfnisse auf die Anfang 1968 durchgeführten Umstrukturierungen der US-Streitkräfte in Westdeutschland.

 

                                                         Alltagsszenen rund um Deuringen.

 

                  Der Beobachtungsturm am Schießplatz, rechts die Zufahrt in das Übungsgelände.

 

Immerhin zeichnete sich Mitte der 1970er Jahre mit der Inbetriebnahme der Gablinger Nachrichtenanlage (Field Station) eine militärische Wandlung ab, auch wenn das letzte Panzerbataillon (3rd/63rd Armor) erst 1982 endgültig aus Augsburg abzog. Ablösung erfolgte durch verschiedene Artillerie-Bataillone mit Geschützen auf Selbstfahrlafetten, die im "Panzerkessel" ohnehin nur Bewegungsfahrten durchführen konnten. Ihre Schußreichweite war einfach zu groß, und so verlegte man sie ebenso wie die schweren M60-Kampfpanzer zum Gefechtstraining in die Oberpfalz. Per Eisenbahn ging es vom Oberen Schleisweg (Verladebahnhof an der Siedlung Bärenkeller) zu den großen Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels.

Mit dem Bau der neuen Bundesstraße 17 wurde die bisherige offizielle "Panzerstraße", eine direkte Verbindung zwischen Sheridan Kaserne und dem Übungsplatz, durchschnitten. Dies führte ganz nach dem Muster von Krötenwanderungen zu einer röhrenartigen Untertunnelung der neuen Umgehungsstraße, durch welche die Panzer ungehindert in die westlichen Wälder gelangen konnten. Damit wurde auch dem Schutz des Zivilverkehrs vor schlecht sichtbaren Militärfahrzeugen und ihrer oft einhergehenden Straßenverschmutzung Rechnung getragen. Der Name Panzerstraße ist heute noch eine offizielle Straßenbezeichnung und geht im Übungsplatzgelände in die Ochsengasse und Georgenschlaue ("Schlaugraben") über. Wegen der Staubbelästigung haben US-Pioniere die Fahrbahnen etappenweise von der Kaserne bis zum Übungsgelände asphaltiert. Am Ende der Zufahrtsstraße befand sich im Wald ein Feuerlöschteich.

 

                                        Beginn und Ende der Panzerstraße im Deuringer Wald.

 

Im Zuge einer veränderten Militärkultur zeigten sich die Amerikaner allmählich einsichtiger, was sich bei späteren Reforger-Manövern zu einer - wenn auch manchmal nur leichten - Entlastung der lärmgeplagten Anwohner ausdrückte. Das auf der Deuringer Höhe aufgestellte Area Control Center (ACC), damals auch "Feldherrnhügel" oder Signal Hill genannt, war als gelegentlicher Manöverstützpunkt und Flugsicherungsstelle (War HQ) stets mit schweren Stromgeneratoren bestückt. Diese beheizten bei den Wintermanövern auch das Zeltcamp, damit die Computer nicht ihren Dienst versagten. Der dabei Tag wie Nacht vorherrschenden Lärm- und Abgaserzeugung begegneten die Amerikaner bald mit einem eigens erdverlegten Stromkabel, das eine abgezäunte Elektrizitätsstelle versorgte (Power Facility). Ein noch teilweise zusätzlich benötigter Spezialgenerator wurde einmal mit Strohballen und LKW-Anhängern abgedämmt. Dies alles haben die Deuringer Bürger dann respektvoll und dankbar zur Kenntnis genommen. Da die Manöveraktivitäten später zum großen Teil nur noch als Stabsrahmenübungen abliefen, konnten die Deuringer Bürger plötzlich auch einen auffallend hohen Anteil weiblicher Soldaten wahrnehmen.

 

                                                   Power Facility auf der Deuringer Höhe.

 

Doch damit war die Vielfalt des Panzerkessels nicht zu Ende. Nach einem Planstand von Januar 1960 wurde in den darauf folgenden Jahren auf der Anhöhe des Geländes ein Schießstand für Panzer mit einem auf der Bordkanone aufmontierten 12,7mm/cal .50 Kleinkaliberadapter (105mm Subcaliber Training Device) gebaut. 1983 fertigte man gegenüber dieser Schießanlage Betonflächen (hardstands) an, von denen aus ebenfalls Panzerhaubitzen mittels eines Kleinkaliberadapters (Sub Cal Range) artilleristische Schießübungen simulieren konnten. Der Sicherheitsbereich ab Schußstelle war dort mit über 900 Meter Weite bei einem Winkel von 40 Grad festgelegt.

Ebenso zu dieser Zeit wurde für die in der Sheridan Kaserne eingerichtete NCO-Academy (Unteroffiziersschule) eine Hinderniss-Strecke errichtet. Den Schießstand baute man zu einem Leadership Reaction Course um. Hier wurden die kommenden Führungskräfte in verschiedenen Stationen auf Geschicklichkeit und Teamwork trainiert.

Einen ausgesprochen unmilitärischen Zweck erfüllte der am Rande des Übungsplatzes erstellte deutsche Freizeitpark mit zahlreichen Spielgeräten auf rund 30.000 m2, darauf auch die seinerzeit angeblich längste Rutschbahn Deutschlands. Die Vergnügungslandschaft am dortigen "Ziegelstadel" konnte von allen besucht werden, besteht aber seit langem nicht mehr.

Vergnügen und Zeitvertreib genossen von Anfang an die Buben aus Deuringen, Diedorf und Leitershofen, wenn sie nach der Schule die Nähe der Camps und Kampfstätten, insbesondere auch die der Feldküchen, aufsuchten. Hier wurden schon frühzeitigst transatlantische Beziehungen auf einfachster Ebene gepflegt, oft zum Schrecken der Eltern. Im Gegensatz zu den städtischen Kindern erlebten diese hier draußen die Amerikaner von ihrer rein aufgabenorientierten Seite. Schicke Ausgehanzüge oder blitzende Straßenkreuzer bekamen die Jungs in Deuringen nicht zu Gesicht.

 

                                           Der Schießstand am Westrand des Panzerkessels.

 

                                                     Befestigte Zufahrt zum Schießstand.

 

                               Soldaten trainieren an der Hindernisanlage. (Foto: Kevin Schultz)

 

Unangenehme Begleiterscheinungen

Ein Kapitel besonderer Art bildeten die entlang der Einfahrtsstraße (im so genannten "Schlaugraben", eine Wasserrinne) aufgehäuften Mülldeponien aus den Augsburger US-Liegenschaften. Hierzu wurden nach und nach mehrere große Gruben ausgehoben und schon in den 1950er Jahren mit Müll jeglicher Art aufgefüllt. Abfallmanagement oder Deponiepflege gab es noch nicht, aber auch auf deutscher Seite war die Entsorgungsfrage nicht anders gelöst: über Jahrzehnte hinweg landete der Müll der Stadt Augsburg in und auf einem Baggersee nördlich der Autobahn, dem heutigen Schuttberg. Die Definition "Sondermüll" war damals ohnehin befremdlich. Dieser Umstand führte letztendlich zu großen Besorgnissen, da sich nur wenige Hundert Meter entfernt die Wasserversorgung der Gemeinde Leitershofen befand. Seitdem zeigen ein Dutzend Entnahmestellen für Grundwasser die Problematik des einstigen Abfallverhaltens.

Die Angelegenheit hatte auch kommunalpolitisch und zwischen den zuständigen Behörden für Aufruhr und Blockadehaltungen geführt. Allerdings ließen auch die Amerikaner später Boden- und Grundwasseruntersuchungen durch deutsche Fachunternehmen durchführen. Nach Verfüllung der Müllgruben, die stets ein begehrter Abenteuerspielplatz für die Buben der näheren Umgebung waren, wurde der US-Abfall rund 15 Jahre in eine Kiesgrube des Gablinger Flugplatzes verbracht. Ein Aufriß der Deuringer Müllberge würde heute wohl zu einer schwer einschätzbaren Umweltgefährdung führen. Außerdem bemächtigt sich die Natur mehr und mehr den kaum noch erahnbaren Hinterlassenschaften.

 

                  Versteckte Zeitzeugnisse: Schrottreste und Schlackeablagerungen aus früher Zeit.

 

Nach dem Abzug

Frei von Kettenfahrzeugen, Schießereien, Motorenlärm und Abgaswolken erkannte Deuringen nach Auflassung des Übungsplatzes 1991*** wieder den wahren Wert seiner idyllischen Wohnlage. Doch die Rechnung der Friedfertigkeit wurde nicht ganz ohne den Wirt gemacht. Denn der verödete, versteppte und von den Panzerketten verdichtete Sandboden bot mit seinen zahlreichen Morast- und Sumpflöchern seltenen Tier- und Pflanzenarten ein geradezu ideales Lebensquartier. Amphibien, Lurche und Fluginsekten paßten sich der Biologie der Landschaft an. Von Fachleuten wurden allein 30 Libellenarten registriert.

Nach dem amerikanischen Aktivitätenstillstand gestaltete die Natur jedoch ihr eigenes Leben. Die gerodete Freifläche trocknete aus und verbuschte, die Vegetation veränderte sich, damit aber auch der Kleintierbestand. Mit Brandrodung, Beweidung durch Schafe und der technischen Neugestaltung von Feuchtstellen versuchte man dem Naturschutz wieder auf die Beine zu helfen. Man erwägte sogar, die buckeligen Freiflächen mit den Ketten von Planierraupen erneut zu verdichten, was einen Kreis der Skurrilität geschlossen hätte. Tatsache ist heute, daß das Gelände dem Naturpark Westliche Wälder Augsburg als Naherholungsgebiet uneingeschränkt zur Verfügung steht - Überraschungseffekte nicht ausgeschlossen. In einem Projekt "Deuringer Heide" bemühen sich ansässige Bürger und der Bund Naturschutz in Bayern e.V. um eine zukunftsfähige Naturerhaltung, doch konnte mit dem Geländeeigentümer (Bundesrepublik Deutschland) bislang noch keine langfristige Perspektive vereinbart werden. Nach dem Abzug der Amerikaner durfte dieses Gelände ohne schriftliche Erlaubnis des Bundes-Vermögensamtes offiziell nicht betreten oder befahren werden, wie dies bei den anderen Liegenschaften später ebenso gehandhabt wurde. Die Gründe dazu waren überwiegend haftungsrechtlicher Natur und ein formeller Schutz gegen Vandalismus.

 

                                                                 Deuringen - mittendrin!

 

             Renaturierung der verlassenen Panzerheide. (Foto rechts: Bund Naturschutz in Bayern).

 

Und da war 1986 noch etwas: In der äußersten Nordostecke des Übungsplatzgeländes errichteten die Amerikaner am Ortsrand von Stadtbergen einen großen Golfplatz, der über Jahre hinweg das gesellschaftliche Leben zwischen Amerikanern und Deutschen im Golfclub Leitershofen mit "Bavarian Hills" auf sehr sportliche Weise zum Ausdruck brachte. Die Verlegung war im Zuge der neuen B17-Trasse zwischen Sheridan Kaserne und Fryar Circle notwendig geworden, wo sich einst der US-Golfplatz befand. Aber dies ist wieder eine ganz andere Geschichte.

 

* Angaben AWWA; andere Quellen nennen 430 ha bis zu geplanten 750 ha.

** Von 18.12.1950 bis 30.05.1952 "SACEUR" (Supreme Allied Commander Europe)

***Die offizielle Schließung des Übungsplatzes datiert die U.S. Army mit August 1998.

 

Quellen:

Zeitzeugen vor Ort,

Augsburger Allgemeine (versch. Artikel),

Aktionsgemeinschaft Westliche Wälder Augsburg e.V. (AWWA),

u.a.

 

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