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Die Flak Kaserne

 

Mit dem im Februar 1937 begonnenen Bau der Kriegshaber Flak Kaserne weitete sich der Augsburger Kasernengürtel bis in den Nordwesten des Stadtgebietes aus. Neben der Infanterie Kaserne im Hochfeld behielt auch die Wehrmachts-"Flak" bei den Amerikanern ihren ursprünglichen Namen.

Zur Aufstellung einer großen Flugabwehreinheit errichtete die Wehrmacht eine erkennbar abweichende Gebäudeanordnung gegenüber den damals eher üblichen Hofanlagen mit Exerzierplatz nach der Heeresbaunorm. Dies verlieh der Flak Kaserne in der Nachkriegszeit einen für Augsburg auffallend anderen Kasernencharakter, der sowohl von strengem, nationalsozialistischen Bauwesen bei gleichzeitig traditioneller amerikanischer Militärnutzung gezeichnet war.

Nachdem die bauhistorischen Beschreibungen und deren zugrunde gelegten Unterlagen auf eine partielle Nichtvollendung der Kaserne hinweisen (Baustop 1940/41), belegen die Luftaufnahmen der U.S. Air Force vom 20. April 1945 zumindest den kompletten Gebäudebestand, wie er in den Nachkriegsjahren bekannt war. Dies beinhaltet sogar einen kleineren Schießstand in der Nordostecke des Areals. Bis zu diesem Zeitpunkt sind auch keine Schäden durch Luftangriffe ersichtlich, sieht man von einigen fragwürdigen Geländezerstörungen am Osthang des Kasernenareals ab. Die Luftbilder weisen einige periphere, kleinere Gebäude auf, die von den US-Truppen wohl alsbald entfernt wurden (evtl. frühere Baubaracken). Jedenfalls sind sie auf Luftaufnahmen von Anfang der 1950er Jahre nicht mehr auffindbar.

Inwieweit die Flak Kaserne von den Tieffliegerangriffen in der letzten Kriegswoche betroffen war, läßt sich auf Luftbildern nicht mehr ersehen. Die Attacken am 21., 22. und 24. April 1945 galten vornehmlich dem Hauptbahnhof (Bombardierung) und dem Ortsteil Oberhausen. Amerikanische Kasernenbilder der 1950er Jahre zeigen zum Teil immerhin noch dunkelbemalte Gebäudetarnung mit einzelnen kleineren Beschußlöchern in den Fassaden der Blöcke 211 bis 213. Eine Bombardierung der Kaserne ist jedenfalls nicht nachvollziehbar.

Mit Kriegsende bezogen Flüchtlinge und Displaced Persons der UNRRA bzw. IRO einige der Gebäude, ebenso dann Einheiten der Industrie Polizei und des Labor Service. Als militärischer Verband ist die Anwesenheit vom 5th Regiment der 71st Infantry Division belegbar (bis 1946), danach bis in die 1950er Jahre die Fliegerabwehr-Einheit 169th AAA Battailon (Anti Aircraft Artillery). Besondere Neubauten der Amerikaner erfolgten zunächst nicht. Erst mit den besatzungsbezogenen Baumaßnahmen wurden die vorhandenen Gebäude zwischen 1949 und 1952 den gewünschten Erfordernissen angepaßt, wie die Einrichtung eines Armee-Krankenhauses im bestehenden Südostteil (Geb. 214 bis 217). Hinzu kamen zwei Bereitschaftsgebäude für Hubschrauberpiloten und zwei Tankstellen im mittleren Freigelände, nahe des Kobelwegs. Außerdem wurde eine Kirche (Chapel) erstellt.

 

Die Sieger setzen ihre Zeichen: US-Flagge am Paradeplatz im Sommer 1945. Dahinter das Stabsgebäude (Foto: Mason H. Dorsey).

 

                                         Die Kasernenanlage im frühen Stand der US-Nutzung.

 

                           Der Haupteingang mit Wache an der Neusässer Straße (1980er Jahre).

 

Unverkennbares Merkmal der Flak Kaserne: die Weide an der Kasernenzufahrt. Dahinter Flak Club und Mess Hall.

 

                                                           Das Wachgebäude am Haupttor.

 

                                              Typische Bogenarchitektur in der Flak Kaserne.

 

                                                             Gebäude 208 (Stab).

 

Links: der Augsburger Kasernenriegel, ganz oben die "Flak".

Rechts: Einladungsbroschüre zum Thanksgiving Day 1959 (24th Infantry Division).

 

 

Die besonderen Merkmale der Kasernenanlage waren sowohl der 200 Meter lange Unterkunftsblock an der Neusässer Straße wie auch der wuchtige fünfgliedrige Gebäudekomplex an der Dr.-Dürrwanger-Straße (Geb. 211 bis 215). Ungewöhnlich aufwendig zeigte sich der rund 300 Meter lange Garagentrakt in der Mitte der Kaserne (Geb. 220). Wachgebäude, Stabsgebäude und Kommandantur (Geb. 208 bis 210) drückten der "Flak" zudem den unverkennbar ideologischen Zeitgeist der NS-Architektur auf. Die Bauqualität der Kasernengebäude ließ manchen GI in der Nachkriegszeit zu großem Erstaunen hinreißen, wie man aus Erlebnisbriefen erfahren konnte. Denn aus ihrer Heimat kannten sie nur die einfach zusammengebauten Holzbaracken der dortigen Militärcamps.

Während von Süden und Westen her ein Einblick in das Kasernenleben praktisch unmöglich war (dies versperrten die komplexen Gebäude und durchgehend hohen Außenmauern), blieb auch vom nördlichen Kobelweg die Sicht zum militärischen Geschehen weitgehend eingeschränkt. Die großen Freiflächen mit oft zahlreichen Fahrzeugen und Anhängern sowie der doppelte Garagenriegel erschwerte Außenstehenden ebenfalls den Blick ins Kasernengeschehen: in frühen Jahren ein Manko für die dort lebenden Schuljungen, die sich für die Aktivitäten der GIs stets interessiert haben.

 

               Blick vom Hospitaldach auf die Abstellflächen am Kobelweg, davor die Garagenzeilen.

 

Links: Garagenzeile 220 am großen Kfz-Abstellplatz, davor die Tankstellen.

Rechts: Begrünte Rückseite der Garagen mit US-typischem Löschhydranten.

 

                                                  Gebäude 222 mit Kino und Werkstätten.

 

Anfang der 1950er Jahre belegten zunächst die 43rd und danach die daraus hervorgegangene 5th Infantry Division u.a. auch die Flak Kaserne (dort die Hauptquartiers-Kompanie), welche aber schon im Oktober 1955 ihren Abzug aus Augsburg einleitete. Bekannt wurde die Division auch durch ihren Soldatenchor Red Diamond Chorus. Im Februar 1956 etablierte sich dann das Hauptquartier der 11th Airborne Division, was mit der zwei Jahre später erfolgten Umformierung zur 24th Infantry Division zu einer längeren Anwesenheit derselben führte. Deren Divisionsartillerie war Mitte der 60er Jahre mit zwei nuklearfähigen Bataillonen zu je drei Batterien vorstellig (Haubitzen M109/155mm). Zu dieser Zeit standen in Westeuropa rund 7000 Atomwaffen als Geisel des Kalten Krieges einsatzbereit*.

Ein Privileg der jeweils truppenführenden Kaserne (Hauptquartier) war der pünktlich um 17 Uhr erfolgte Salutschuß zur Flaggenparade durch die Honor Guard. Während des Einholens des Sternenbanners blies ein Trompeter so lange, bis die großflächige Fahne vom Mast gelöst war. Das in der Flak Kaserne beherbergte Hauptquartier der 24th Infantry Division (HQ and HQ CO, 24th INF DIV, "Victory Division") war 1959 mit einem Zwei- und zwei Ein-Sterne-Generale besetzt.

Ende der 1960er Jahre begann in Augsburg das Zeitalter der militärischen Aufklärung, das im Zusammenhang mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Gablinger Horchantenne zur Anwesenheit von verschiedenen Aufklärungseinheiten führte. Dies waren in der Flak die 415th Army Security Agency Company (415th ASA Co), die 326th und 328th ASA Co sowie die 502nd ASA (später 507th) Group. Ab 1972 fand auch die der Air Force zugehörige 6910th Electronic Security Squadron mobil (6910th ESS MOB) in der Flak ihre Heimat, die 1974 in 6913th ESS MOB umbenannt wurde. Anfang der 1980er Jahre wurde aus der 502nd ASA Group das 502nd Military Intelligence Battallion (502nd MI Bn), ab 1990 war das Hauptquartier des 204th MI Bn vorstellig.

 

Links: Um 1990.

Rechts: Der Nachrichtendienst stellt sich in Pose, um 1990 (Foto: Bill Goodin).

 

                               Der langgezogene Unterkunftsblock Geb. 207 von der Innenseite.

 

                                        Blickwinkel bei den Baracken am Kobelweg zu Geb. 207.

 

                     Idylle an der Nordwestecke der Flak Kaserne (Geb. 206) mit dem Offiziersheim.

 

         Blick auf einen Teil des Unterkunftstraktes an der Dr.-Dürrwanger-Straße, links die Mess Hall.

 

                                    Einer der fünf Gebäudefinger an der Dr.-Dürrwanger-Straße.

 

Links: Sicht in die Straße zu den Unterkunftsblöcken.

Rechts: Einer der Innenhöfe des mehrgliedrigen Unterkunftskomplexes.

 

Wesentlicher Bestandteil der Flak Kaserne war stets das US-Militärkrankenhaus**, das ab 1988 mit einem modernen Erweiterungsbau für lange Sicht hinaus den politischen Gegebenheiten und Erwartungen Rechnung tragen sollte. Dies änderte sich jedoch nur wenige Jahre später ins Gegenteil, die 27 Millionen Dollar teure Investition war politisch wie militärisch überflüssig geworden. Ihre Planung begann bereits im Jahr 1981 durch die Dorsch International Consultants.

Nach Umbau und Indienststellung 1952 verfügte das erste Armee-Hospital über 200 Betten, sieben Krankensäle, zwei OPs, eine eigene Zahnklinik mit 15 Behandlungsstühlen sowie eine Frauen- und Entbindungsstation. Mit der 1988 abgeschlossenen Erweiterung genügte das "Flak-Hospital" mit fast allen medizinisch erforderlichen Disziplinen und vier Operationssälen auch den neuzeitlichen Anforderungen moderner Infrastruktur. Mit dem Neubau wurden auch weitere bestehende Gebäude an der Dr.-Dürrwanger-Straße für die medizinische Peripherie umgebaut, wie z.B. eine medizinische Bibliothek oder die veterinärärztliche Verwaltung. Die Gesamtnutzfläche des alten und neuen Klinikbereiches belief sich auf rund 18.000 m2. Im Freien des Areals war ab 1973 die ständige Bereitschaft des 236th Medical Detachments (Air Ambulance) mit seinen Rettungshubschraubern für jedermann sichtbar, ebenso der Motor Pool des Hospitals mit seinen zahlreichen Sanitätsfahrzeugen.

 

                          Ein Bettensaal im Hospital-Dachgeschoß 1952 (Foto via Reise House).

 

                                                   Das alte Hospitalgebäude 216 um 1952.

 

                                                  Das neue Hospital aus den 1980er Jahren.

 

                                               Verbindungsbau vom alten zum neuen Hospital.

 

                              Ein Bell UH-1H Rettungshubschrauber auf der Wiese am Kobelweg.

 

               Die beiden Unterkunftsgebäude für Hubschrauberbesatzungen, vorne das Landekreuz.

 

Neben Panzerhaubitzen und Nachrichtendiensten wartete die Flak Kaserne auch mit einer baulichen Besonderheit auf: Bei den drei gemauerten Baracken am Kobelweg gab es ein kleineres Gebäude (Nr. 288), das als Tierheim zur zeitweiligen Unterbringung privater Hunde in den 1980er Jahren errichtet wurde. Bekannt als "Hundehotel" soll es sogar mit einer komfortablen Fußbodenheizung ausgestattet gewesen sein. Die Baukosten waren beträchtlich, wie man erfahren konnte.

Die Mess Hall (Geb. 210, auch NCO und EM Club) diente in den 1950er Jahren immer wieder als Schauplatz von Weihnachtsfeiern, zu der die U.S. Army bedürftige Augsburger Kinder einlud. Wie auch in der Sheridan oder Gablingen Kaserne entstanden hier Erinnerungen und Begegnungen, welche die kleinen Gäste manchmal lebenslang begleiteten. Schon am 23. November 1947 lud eine Arbeitskompanie zum Thanksgiving Day 124 Kinder des Katholischen Waisenhauses in die Flak Kaserne ein.

 

                                                    Sicht über das Paradefeld zur Mess Hall.

 

Der Säulengang an der Mess Hall gehört zu den charakteristischen Erinnerungen an die Flak Kaserne.

 

Links: Zugangsweg zur Mess Hall.

Rechts: Kleine Ruhepause hinter der Mess Hall , um 1990.

 

                                       Der Mess Hall-Komplex mit Flak Club (links) aus der Luft.

 

                                                    Leben im Flak Club, frühe 1980er Jahre.

 

                                                 Der Flak Club (Geb. 210) an der Mess Hall.

 

Das Leben "draußen in der Flak" entwickelte sich zu einem etwas abgelegenen Stück Amerikanisch-Augsburger Erinnerungsgeschichte. Es war politisch hervorgerufen, wurde militärisch wie menschlich gelebt und von den Betroffenen drinnen wie draußen angenommen. Wer mit der "Flak" Berührung hatte, wird sie nicht einfach vergessen können. Im Frühjahr 1994 endete die amerikanische Nutzung der Kaserne. Die Taxis vor dem Haupttor hatten damit ihre für viele Jahre hinweg wichtigsten Fahrgäste verloren. Mit der Konversion sind auch nahezu alle Spuren der Kasernenanlage beseitigt worden.

 

* usarmygermany: 59th Ordnance Brigade, Page 4 - NATO Nuclear Artillery System

** Auch geführt als: 11. und 30. Field Hospital, 11. Military Hospital, 21. Evacuation Hospital, U.S. Army Hospital, 34. General Hospital, 34. Medical Hospital.

 

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