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Die Augsburger Freiheitsbewegung

 

Am 11. Februar 2010 starb Engelbert Schraudy, der wohl letzte Augsburger Zeitzeuge, der in den ausklingenden Kriegstagen 1945 die sich gebildete Freiheitsbewegung ("Widerstandsbewegung") zu einer friedlichen Übergabe der Stadt an die heranrückenden US-Truppen unterstützte. Damit sind historische Stunden endgültig zur stillen Erinnerung geworden.

In verschiedenen Publikationen wurde das Wirken der Freiheitsbewegung und ihrer mutigen Männer wie auch einzelnen Frauen analytisch untersucht, relativiert und historisch niedergeschrieben. Es sind die Namen wie Anton Setzer (Direktor der Augsburger Blindenanstalt), Domkapitular Dr. Josef Hörmann, Pfarrer Alois Vogg von St. Thaddäus, Anton Kaiser (Verwundeter Soldat und Freund von Engelbert Schraudy), Oberarzt Rudolf Lang vom Hauptkrankenhaus, Oberinspektor Georg Achatz, Kammersänger Friedrich Rüggeburg sowie der spätere Lehrer Hubert Rauch und der Kaufmann Franz Hesse, die beide den amerikanischen Truppen von Westen und Norden her den Weg in die Augsburger Innenstadt wiesen. Daneben gab es auch andere Männer, die nichts mit der Freiheitsbewegung zu tun hatten, doch im rechten Augenblick das entscheidend Richtige taten.

Da die Gruppen voneinander unabhängig operierten und sich spätere Aussagen daher nicht immer deckten - also keine historisch korrekte Leistungsbewertung möglich war -, ist die in einer späteren Aufarbeitung von Geschichtsdidaktiker Prof. Dr. Karl Filser formulierte Beurteilung wohl am treffendsten: "Der Erfolg hat viele Väter." Und er resümiert, daß sich alle der Beteiligten an der Bewahrung der Stadt verdient gemacht hatten und diese damit nicht dem Schicksal Aachens oder Heilbronns folgte.

Die Konsequenzen einer nicht friedlichen Konfrontation mit den US-Truppen waren allen bewußt: Bombenteppiche, Trommelfeuer der Artillerie, Tiefflieger usw... "Wegen Augsburg hätten wir keinen einzigen Soldaten geopfert!", so ein amerikanischer Offizier provozierend zu Dr. Lang. Es blieben also nur weiße Tücher und Flaggen, heimliche Kommunikation mit den amerikanischen Befehlshabern vor Augsburg und die Sicherstellung, daß Augsburg keinen Widerstand leistet und die US-Truppen ungehindert zur Kommandostelle im Riedingerbunker gelangen konnten. Hierzu suchte Alois Vogg in der zweiten Aprilhälfte des Jahres 1945 die Dorfgeistlichen im Westen Augsburgs auf, um für einen widerstandslosen Einmarsch der amerikanischen Truppen zu werben. Engelbert Schraudy hatte nach seinen eigenen Angaben zu überprüfen, daß am Tag der Übergabe die Senkelbachbrücke und Wertachbrücke nicht gesprengt werden konnten. Letztere war von amerikanischen Bomben ohnehin schon beschädigt. Als Treffpunkt der heimlichen Akteure diente anfangs die unverdächtige Blindenschule in der Jesuitengasse 14. Doch selbst regimetreue Blinde wurden zu einem Verratsrisiko, und so verlegten die mutigen Männer ihre Tätigkeiten in den Schutz des zu Maria Stern gehörenden Klosters St. Elisabeth am Dom.

Frühmorgens vor 6.00 Uhr des 28. April 1945 war der erste amerikanische Stoßtrupp mit Franz Hesse am Riedingerbunker, der Stadtkommandant Generalmajor Fehn wurde verhaftet. Bald darauf folgte der von Norden über die Wertachbrücke heranrückende zweite Stoßtrupp mit Hubert Rauch (damals zwanzigjährig). Augsburg wurde friedlich eingenommen, was die 7. Amerikanische Armee in ihrer Geschichtsschreibung so formulierte: "Die Übergabe Augsburgs im zentralen Sektor der bayerischen Abschlußoperationen der 7. Armee war eine der seltsamsten Begebenheiten auf dem Vormarsch in Deutschland." Dies, auch wenn bei der Lechüberquerung östlich Gersthofens gegnerisches Flakfeuer die Soldaten des 30rd Infantry Regiments erheblich aufhielt. Wie stellten sich die Akteure selbst zu ihrer Tat? "Darüber wird kein Wort gesprochen! Wir brauchen keine Helden." (Dr. Josef Hörmann). Das Gelöbnis galt für Jahrzehnte, bis 1982.

Und wie nahmen die amerikanischen Verantwortlichen die Kooperation mit der Augsburger Freiheitsbewegung an? Der Kommandeur der 3rd Infantry Division, General O`Daniel, reagierte auf die ihm bekannt gewordene Stimmungslage in Augsburg mit dem Befehl: "Ich wünsche nicht, daß nach Augsburg hineingeschossen wird, bevor uns tatsächlich Feuer entgegenschlägt... Achten Sie auf weiße Fahnen und andere Übergabezeichen, denn wir haben viele Anzeichen dafür". (Aus der Kriegsgeschichte der 7. Amerikanischen Armee). Und Major John O´Connell, Battalionskommandeur des 15th Infantry Regiments, der mit Franz Hesse am frühen Morgen von Steppach her die Kapitulation im Zentrum der Stadt erwirkte? Auch er ließ den Mutigen der Stadt ihre Chance - und es war gut für Augsburg!

Am 3. Mai 2007 arrangierten die Lehrerin Frau Dr. Marianne Schuber und Engelbert Schraudy im "Oberhauser Museumsstüble" einen Informationsabend zur friedlichen Einnahme Augsburgs durch die Amerikaner. Als wohl letzter Zeitzeuge verlas Herr Schraudy die Erlebnisse der auslaufenden Kriegstage aus der Sicht und Handlungsweise der Augsburger Freiheitsbewegung. Die nachstehenden Bilder hierzu zeigen ihn dabei, daneben die Ansichten jenes Klosters, in dem das (fast) unblutige Ende des Krieges in Augsburg seine weitere Wirkung entfaltete: "Amerika in Augsburg" begann hier seine über 50-jährige Präsenz und prägte die Stadt in vielerlei Hinsicht.

 

                                            Engelbert Schraudy im Oberhauser Museumsstüble

 

                                                      Die Blindenschule in der Jesuitengasse

 

                        Späterer Treffort der Freiheitsbewegung: das Kloster St. Elisabeth am Dom

 

Ende eines Wahnsinns: der zerstörte "Riedingerbunker" in der Nähe des Doms. Heute steht dort das Haus der Stadtwerke Augsburg. Hier endete der Zweite Weltkrieg für Augsburg (Foto: Stadtarchiv)

 

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