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"Wer ist mein Vater?"

 

Kriegsende, April 1945. Auch in Augsburg galt für die alliierten Soldaten der US-Armee das Fraternisierungsverbot gegenüber den Deutschen, das jedoch schon bald gelockert, gelöst und in freundschaftliche Beziehungen überging. Der Kriegsschaden war immens und Deutschland von tatkräftigen Männern entvölkert. Die materielle Not der Überlebenden führte zu eigenen Gesetzmäßigkeiten zwischen Sieger und Besiegten.

So war es mit dem beginnenden Frieden nur naheliegend, wenn junge Frauen bei den amerikanischen Soldaten Geborgenheit, menschliche Nähe und die bescheidene Erfüllung materieller Ansprüche fanden. Deutschland erwachte und wollte neu aufleben. Soziale Bedürfnisse zeigten sich von ihrer elementarsten Seite.

Es war militärische Besatzungszeit und die amerikanische Armee richtete sich im Zuge des Ost-West-Konflikts in den erhaltenen Wehrmachtskasernen dauerhaft ein. Dies führte langfristig zu einer begrenzten, aber dennoch breiten Kulturannäherung zweier Völker, was sich im Kontakt der Geschlechter mit weitreichenden Folgen niederschlug. Nicht nur, daß viele Ehen zwischen US-Soldaten und deutschen Frauen und Mädchen geschlossen (und leider auch teilweise wieder getrennt) wurden, eine Tragik für sich blieb eine unbekannte Zahl von Kindern, die ohne Kenntnis ihres leiblichen US-Vaters aufwuchsen und junge Frauen vor erhebliche soziale und gesellschaftliche Herausforderungen stellte, die bis zur Missliebigkeit in ihrem Lebensumfeld führten.

Da die Soldaten nach zwei bis drei Jahren ihren Standort wechselten, war eine Rückverfolgung von Vaterschaft und Abstammung meist nicht mehr möglich. So leben heute auch in Augsburg zahlreiche Erwachsene aller Altersklassen, die unter der Rubrik "Vater gesucht" ihre persönliche Identität finden möchten. Sie sind die Leidtragenden eines vergangenen militärpolitischen Machtkampfes und einer menschlichen Beziehung, die nicht die Ausrichtung finden konnte, welche alle Beteiligten zu einem glücklicheren Dasein geführt hätte. Allein in Westdeutschland schätzt man die Zahl der unehelichen Kinder von alliierten Soldaten auf offiziell rund 67 000, eine große Dunkelziffer nicht mit eingerechnet.

Militärische Dienststellen sind keineswegs die Ansprechpartner, welche zur Aufklärung von Vaterschaften dienen können. Nach dem Truppenabzug wurden die Garnisonsbücher mitgenommen, die Namenslisten der einzelnen Truppenteile fallen unter das Militärgeheimnis. So erhielten auch deutsche Behörden keine diesbezüglichen Informationen. Und die Militärbehörden schützten ihre Soldaten mit aller Macht vor Unterhaltszahlungen. In vielen Fällen wurden sie einfach in ihre Heimat zurück kommandiert.

Regelmäßig erhält der Verein Amerika in Augsburg e.V. Anfragen von Kindern oder Kindeskinder ehemaliger Soldaten der amerikanischen Streitkräfte. Die Informationen zum leiblichen Vater sind oft nicht vermittelt worden, so daß die Betroffenen keinen Kontakt zum Vater haben aufbauen können. Scham und Ressentiments der Mütter paaren sich oft mit der Eifersucht späterer deutscher Stiefväter. Ein Konflikt, der den Kindern jegliche Chance nahm.

Leider ist es dem Verein Amerika in Augsburg e.V. nur sehr schwer möglich, Informationen zu Angehörigen von Militäreinheiten zu eruieren. Es gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Im Internet (Google) gibt es vielerlei Möglichkeiten, nach Namen, Dienstgrad, Einheitsbezeichnung, Kasernen, Zeitraum des Augsburg-Aufenthaltes oder anderen speziellen Merkmalen eine Person zu suchen, sofern sie in der dortigen Datenwelt gespurt ist. Nützlich sind auch die Veteranenverbände jener Einheiten, die dem Soldaten am nächsten standen. Diese pflegen auch Gästebücher oder Kommunikationsforen, in denen sogar Email Adressen angegeben sind. Amerikanische Suchmaschinen von Familiennamen sind kostenpflichtig und lassen nicht erkennen, welcher der zahlreich aufgeführten Namen der wahrscheinlich richtige ist. Auch ist ihre Aktualität hinsichtlich Aufenthaltsort oder Altersangabe nicht erkennbar.

Zum Beispiel:

www.publicbackgroundchecks.com

www.intellius.com/search-summary

Es gibt auch keine gewerblichen Such"firmen" für ehemalige US-Soldaten. Bei selteneren Namen lohnt sich auch eine Recherche in den online-zugänglichen Büchern der amerikanischen Telefongesellschaften wie z.B. www.telauskunft.de/usa.html 

Eine seriöse Ansprechstelle ist www.gi-kinder.org. Sie vermittelt auch weiter an das National Personnel Records Center in St. Louis.

Ist der Soldat in Deutschland verblieben, kann über die Telefonauskunft hierzulande(www.11880.com) zumindest eine Namensfindung erfolgen. Suchregister wie "123people" weisen auch auf Fotos von gleichartigen Namensbesitzer aus dem Internet und Email-Adressen hin. Daß sich auch unseriöse Suchstellen anbieten, ist nicht verwunderlich.

Zu bedenken ist aber immer, daß eine spätere Zusammenführung von Kind und Vater im Blick auf die neu gewachsenen Familienstrukturen nicht unproblematisch ist und unbedachte Konflikte herbeiführen kann. Je nach Zeitverlauf muß auch bedacht werden, daß gesuchte Väter evtl. gar nicht mehr am Leben sind. Es ist aber durchaus möglich, selbst vergangene Spuren ihres Daseins im Internet zu entdecken.

Kinder des Feindes (Spiegel 52/2006)

Von Widmann, Marc und Wiltenburg, Mary

Über 100 000 Besatzungskinder wurden nach dem Krieg in Deutschland geboren. Die Soldaten der Alliierten wollten von ihnen meist nichts wissen. Bevor es zu spät ist, suchen nun viele nach ihrem Vater. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49976912.html

 

Unserer unverbindlichen Meinung nach, kann zur Recherche auch folgendes Buch, das (leider) nur in englischer Sprache erschienen ist, hilfreich sein:

FINDING YOUR FATHER`S WAR

Taschenbuch, 352 Seiten, Casemate Publication (September 2006)

ISBN-10: 1932033146 bzw. ISBN-13: 978-1932033144

Preis z. B. bei amazon.de: 21,99 €

Das Buch bietet einen sehr guten Überblick über den Aufbau und die Organisation der US Armee und ihrer Einheiten während des zweiten Weltkrieges und die unmittelbaren Jahre danach sowie den Aufbau und die Systematik der Akten / Aufzeichnungen der US Armee über einzelne Soldaten und ganzer Einheiten. Das Buch geht auch auf die Möglichkeiten ein, wie Akten / Aufzeichnungen in Archiven der USA (z. B. The National Archives) durch berechtigte Interessenten  gefunden werden.

Im März 2015 erschien im Ch. Links Verlag GmbH ein Buch mit dem Titel: "Wir Besatzungskinder". Die Autorin Ute Baur-Timmerbrink, selbst ein Besatzungskind, schildert nicht nur bewegende Einzelschicksale und deren Aufklärung, sondern verweist auch auf hilfreiche Weblinks und andere Suchadressen. Sie selbst arbeitet für das Netzwerk GItrace, www.gitrace.org

 

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