home
Kontakt
Verein
Aktivitäten
Dokumentation
Standort Augsburg
Geschichte
Einrichtungen/Bauwesen
Kasernenleben
Namensgebung Einrichtungen
Kultur und Freizeit
Gesellschaft
Links
Sponsoren
Impressum

Das Sheridan Offizierskasino (Officers Club Sheridan)

 

Unter der Gebäudenummer 180 unterhielten die amerikanischen Truppen über ein halbes Jahrhundert ein repräsentatives, im Nationalsozialismus entstandenes Offizierskasino an der Südspitze der Sheridan Kaserne. Von 1934 bis 1936 erbaut, sollte dieser propagandistische Bau der NS-Herrschaft die nationalsozialistische Architektur „dauerhaft“ zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig verbargen sich darin auch politische Signaturen, Macht, Monumentalität, Größe und Raum, Status, Symbolik, wie auch die militärische Repräsentation und das Selbstwertgefühl der damaligen Offiziere.

Das Gebäude vermochte eine von deutscher Wertarbeit geprägte Ästhetik ebenso vermitteln wie eine durch die Politik beabsichtigte Langzeitlichkeit. Natursteinelemente, massives Eichenholz, Schmiedeeisen, roter Marmor, üppige Beschläge und Armaturen, beeindruckende Raumhöhen mit dunkelhölzernen Kasettendecken – all diese Merkmale schufen eine Freizeit- und Repräsentationsstätte, die den sich in den Nachkriegsjahren etablierten US-Truppen ein willkommenes Domizil der Weiterverwendung war.

Prunkstück des Gebäudes ist der mit hohen Fensterfronten nach Westen ausgerichtete Festsaal, dessen kolossales Wandgemälde mit einer Schlachtenszene auf dem Lechfeld (a.d. 955) dem Raum eine geradezu martialische Dimension verleiht. Die Türen der gläsernen Fensterfront führen zu einer leicht erhöhten, vorgelagerten Großterrasse, die heute noch vom Baumbestand aus der Erbauungszeit beschattet und von der später entstandenen Winkelanordnung des Bauensembles schutzvoll eingerahmt wird. Die bauliche Integrität wird insbesondere durch die unterschiedlichen Walmdächer betont.

Ein Blick von der westlich gelegenen Wiese zeigt das Gebäude vor allem im warmen Licht der Abendsonne von seiner ganzen stolzen Ausdruckskraft. Im Norden fügten die Amerikaner schon 1952 eine Erweiterung in Form eines Ball-, Speise- und Theatersaales samt Großküche hinzu, der sich architektonisch unauffällig und homogen an die historische Bausubstanz anbindet. So nutzten die Amerikaner weiterhin den Komplex für repräsentative Empfänge und Veranstaltungen unter Militärs oder auch mit Zivilisten aus der deutschen Politik und Gesellschaft.

In Anspruch genommen wurden hierzu auch die im Keller gelegenen Trinkstuben mit Kachelöfen, Holzvertäfelungen, Glas- und Wandmalereien mit humorigen Trinksprüchen sowie die dort gelegenen Wein- und Vorratskeller samt einer trutzigen Trinkbar. Massiver Stein und üppige Eichenholztüren prägten sogar unter Tage die Philosophie der NS-Architektur und ihre vermeintliche Unvergänglichkeit. Die weiß gestrichenen Ziegel, die mit einer bogenförmigen Decke das Ambiente des Kellergewölbes eindrucksvoll zum Ausdruck bringen, wurden am Boden mit Steinplatten verschiedener Brauntöne markant in Kontrast gesetzt.

Von welcher Seite man auch auf das Gebäude blickt, es zeigt sich immer wieder in einer anderen schlichten, klar gegliederten Geometrie von stiller Erhabenheit. Vielleicht konnte gerade dieser Ort dazu beigetragen, daß sich die amerikanischen Truppen hier in Augsburg besonders wohl fühlten...?

Auf jeden Fall hat der Offiziersclub -“das Kasino“- an der Augsburger Nachkriegsgeschichte mitgeschrieben, welche dort allerdings nur bedingt über den Maschendrahtzaun der Kaserne an die Öffentlichkeit gelangte und somit stiller Teil der amerikanischen Erinnerung an Augsburg bleiben wird.

Das Gebäude Nr. 180 wurde 2006 unter Denkmalschutz gestellt, ist aber derzeit durch einen pflegelosen Leerstand einem weiteren Verfall ausgeliefert. Die Bausubstanz wurde von der „Army“ verantwortungsvoll restauriert und im Sinne der Denkmalpflege historisch erhalten. Ein auf der baumbewachsenen Südseite gelegener Tennisplatz verstärkte den elitären Charakter des gediegenen Kasino-Komplexes. Etwas westlich davon war ein Hubschrauber-Landeplatz angelegt.

Ironie der Geschichte: Noch im Sommer 1989 wurden im 1. Stock des Hauptgebäudes drei komfortable General-Suiten mit den Namen "Sheridan, Reese  und Flak Suite" errichtet. Man konnte sich ganz offenbar nicht den bevorstehenden Geschichtswechsel durch die deutsche Wiedervereinigung vorstellen und richtete sich weiterhin auf eine dauerhafte Militärpräsenz ein. Die Suiten des Officers Club wurden jedoch allsbald nicht mehr benötigt.

 

                                                    Östlicher Eingangsbereich des Kasinos 

 

                                     Westliche Rückseite: Terrassenbereich mit großer Wiese

 

                                              Der von den Amerikanern hinzugebaute Ballsaal

 

                                 Unten: der große Festsaal mit dem Bildnis der Lechfeldschlacht

 

                                                 Rechts: Ein Bad des Generals-Appartements

 

                                              Kellerimpressionen. Unten Rechts: großes Foyer

 

                                                Auf der Südseite: Kleine Terrasse mit Brunnen

 

                                                  Das Offizierskasino in der Winterstimmung

 

Impressum

nach oben